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Das Comeback des Gin

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Die edelsten Sorten  

Das Comeback des Gin

05.08.2015, 14:30 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Das Comeback des Gin. Gin ist begehrt in den deutschen Szene-Bars (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gin ist begehrt in den deutschen Szene-Bars (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Gin feiert in den Szene-Bars sein großes Comeback. Dabei war der Drink lange verboten und als "Mother's Ruin" verschrien. Grund genug, uns die Geschichte des Gin genauer anzuschauen und uns nach den edelsten und interessantesten Sorten zu erkundigen. Überraschung: Eine der besten Premium-Marken überhaupt stammt aus dem Schwarzwald.

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Gerade haben wir es wieder bestätigt bekommen: Gin ist der Shooting-Star in den besten Bars Deutschlands. Eine interessante Karriere, denn am Anfang war die Medizin: Als Entdecker des Gin gilt der Arzt Francois de la Boe, auch genannt Franciscus Sylvius – auf Deutsch wäre dies Franz aus dem Wald. Der in Hanau geborene Arzt lebte von 1614 bis 1672 und verbrachte viel Zeit in den undurchdringlichen Wäldern des dünn besiedelten Europa. Um das Jahr 1650 herum brannte er der Legende nach in den Niederlanden Alkohol aus Wacholder – den Trank setzte er gegen Magenbeschwerden ein und taufte ihn Genever. Heute bekannt als Jenever, als Dutch Gin oder auch als Holland Gin.

Schnell eroberte der Brand Großbritannien – englische Truppen hatten die aufmüpfigen protestantischen Niederlande im Kampf gegen die Großmacht Spanien unterstützt. Natürlich war der Begriff Genever nach zwei Glas viel zu schwierig auszusprechen – so wurde daraus Gin. >>

Auch die Botanik stand Pate: Der Wacholder heißt auf Englisch Juniper Berries. Schnell vergaßen die Engländer die Waffenbrüderschaft mit der Niederlande. Mit dem ersten Gin Act schottete sich das Empire im Jahr 1738 gegen importierten Genever ab, britische Destillen sicherten sich fortan alleine das Geschäft und der englische Hof kassierte kräftig Steuern ein.

Der Fusel der Armen

Verwendet wurde anfangs auch minderwertiges Korn, das nicht gut genug für Bier war. Gin wurde so schnell zum Fusel für die Armen, allein in London brannten 400 verschiedenen Destillerien den Schnaps. Ab 1769 produzierte die Gordon Co. in Nordlondon Gin für die kulinarisch nicht gerade verwöhnte Navy.

Die meisten Destillen fanden sich nahe des Hofes im Londoner Bloomsbury-Viertel und im Vorort Finsbury, wo klares Quellwasser aus dem Boden sprudelte. Gerne getrunken wurde Old Tom Gin. >>

Dieser Brand war deutlich süßer, da er mit Zucker gestreckt wurde. Historiker bezeichnen diese Zeit als "Gin Craze“, mitunter wurde sogar Terpentin zum Strecken verwendet. Kein Wunder, dass stark riechende Kräuter in die Flasche mussten, um den üblen Geruch zu überdecken.

Unnötig zu erwähnen, dass der Alkoholismus grassierte – im Volksmund hieß Gin nur noch “mother’s ruin". Um den Suff zu stoppen, verabschiedete das House of Parliament im Jahr 1791 einen weiteren Gin Act. Damit zwang die britische Regierung die Brennereien, ihre Waren nur an lizenzierte Händler zu verkaufen.

Allmählich stieg die Qualität, die billigen Kaschemmen verschwanden, auch die Upper Class schenkte sich einen Gin ein. Als im Jahr 1832 die Säulen-Destillerie erfunden wurde, konnten die Destillen endlich reinen Alkohol brennen – und der Gin gelang extra-trocken. Zunächst gab es jedoch einen Rückschlag aufgrund diverser Exzesse und damit verbundener Verbrechen: Gin wurde in England von 1840 bis 1880 verboten. Natürlich brannten die Leute heimlich weiter und der Trank ließ sich nicht stoppen.

Gin enthält heutzutage mindestens 37,5 Prozent Alkohol und neben dem Getreide Zitrusfrüchte wie Zitrone und Grapefruit-, Orangen- und Limetten-Schalen sowie andere Gewürze, darunter Anis, Engelwurz, Iriswurzel, Koriander, Süßholzwurzel und Zimt. Aber auch Mandeln, Bohnenkraut, Safran, Weihrauch oder Muskatnuss finden ihren Weg in die Gärbottiche. Gerne verwendet werden außerdem Ingwer und Paradiesapfel-Kerne.

Ein Gin vom Gentleman aus dem Schwarzwald

"Gin ist aromatisch, sehr abwechslungsreich, erfrischend und trocken – deshalb mögen ihn vor allem Männer. Gin kann pur als Digestiv, Longdrink oder Cocktail genossen werden und ist dadurch sehr vielseitig", urteilt Jens Lühmann von der Weinquelle Helmut Lühmann. Das Hamburger Handelshaus besteht seit 1919 und registrierte zuletzt eine stark steigende Nachfrage nach dem aromatischen Wacholder-Brand. Und welche Marken empfiehlt Lühmann?

Allen voran den Monkey 47, das ist ein deutscher Gin aus dem Schwarzwald, für Lühmann der Marktführer im Premium-Segment. Auch die Wein-Legende Robert Parker nennt den Gin den besten, den er jemals getrunken hat, so steht es zumindest auf der Homepage von Monkey 47. Man höre und staune: Genau wie im Fußball verweist also Deutschland das Mutterland England auf die hinteren Ränge. Benannt ist dieser Gin nach einer Episode aus dem unglaublichen Leben des Gentleman Montgomery "Monty" Collins, einem Diplomaten-Sohn, der im indischen Madras aufwuchs und seine militärische Laufbahn im zerstörten Berlin absolvierte. Der Offizier der Royal Air Force kümmerte sich im ausgebombten Berliner Zoo um ein kleines Makaken-Äffchen namens Max. In den Fünfzigern siedelte er wegen seiner Leidenschaft für Uhren in den Schwarzwald um, wo er ein Gasthaus mit dem Namen "Zum Wilden Affen" eröffnete – und natürlich wollte er auf Gin nicht verzichten. Bei der Renovierung wurde vor Jahren eine alte Kiste mit einer verstaubten Flasche und handgeschriebenen Notizen gefunden – Monty’s Geheimrezept, nach dem heute noch gebrannt wird, versteckt als Flaschenpost an die Genießer der Nachwelt.

Meist günstiger als Whisky

Weiter empfiehlt Lühmann The Botanist Islay Dry Gin, Darnley's View Spiced London Dry Gin, Gin Mare, den Klassiker Tanqueray No. Ten und Broker's Gin. Bleibt als Ergänzung von wanted.de ein Gin, den die Redaktion im September 2014 verkostete: Der London Dry Gin No.3 überzeugte mit einem fruchtigen und würzigen Aroma nach Zitrus und Wacholder sowie einem langem Nachhall. Interessanterweise ist der Gin meist günstiger als etwa Whisky, weil der weiße Brand nicht lagert. Gin ist also noch immer ein Geheimtipp! Doch das ändert sich gerade: Im Oktober 2014 eröffnet Bombay Saphhire erstmals seine Tore für Besucher. Die Destille Laverstoke Mill in Hampshire stammt aus dem zehnten Jahrhundert und wurde aufwändig renoviert. Einige interessante Sorten finden Sie in unserer Fotoshow.

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