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Die besten deutschen Weißweine

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Rendez-Vous mit der Königin der Weißweine

12.07.2012, 14:36 Uhr | Frank Lansky, wanted.de

Die besten deutschen Weißweine. Der Riesling gilt als die "Königin" der Weißweine. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Der Riesling gilt als die "Königin" der Weißweine. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Deutscher Weißwein ist auf dem Vormarsch, die Edelrebe Riesling erobert die Welt der Feinschmecker. Der Kulinarik-Experte Valentin Brodbecker huldigt ihr als die Majestät unter den Weißen und empfiehlt im Gespräch mit wanted.de ein Dutzend seiner Top-Favoritinnen als die besten deutschen Weißweine. In unserer Foto-Show stellen wir Ihnen die Weißweine vor.

Foto-Serie mit 13 Bildern

Glückliches Deutschland: "Die deutschen Winzer werden jedes Jahr besser". Der Weinberater lobt die intensive Pflege im Weinberg, der Ertragsreduzierung und eine professionelle Kellertechnik. Für Brodbecker ist die Sache klar: Die Paraderebe des deutschen Weinbaus trägt den Namen Riesling.

"Die Traube ist einfach die Königin der Weißweine und sie lässt sich am vielfältigsten verarbeiten. Aus der Sorte lässt sich eine enorme Bandbreite keltern, von leichten Kabinettweinen bis zu edelsüßen Auslesen. Keine andere Rebe nimmt so viel Aroma vom Boden auf – daher herrscht in Deutschland auf engstem Raum eine unglaubliche Vielfalt zu bezahlbaren Preisen." Die Preise für gute Weine starten schon bei zehn Euro, nach oben gibt es keine Grenze.

Brodbecker empfiehlt leichte Kabinettweine als Aperitifs oder für Cremes und Pasteten. "Die idealen Begleiterinnen für pochierten Fisch, Lachs, >>

Steinbutt oder Heilbutt oder auch für Geflügel und Kalbfleisch sind trockene Spätlesen oder ein Großes Gewächs." Damit nennt der Genießer den trockenen Top-Wein beim Namen: Ein Großes Gewächs (GG) oder auch Erstes Gewächs (EG) muss strenge Regeln erfüllen. Der Winzer muss Mitglied im elitären Verein Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) sein und über eine Bestlage verfügen.

Große Gewächse dürfen nur aus bestimmten, regional definierten Rebsorten gekeltert sein – in fast allen deutschen Anbaugebieten ist dies der Riesling. Weiter darf bei einem GG der Ertrag 50 Hektoliter pro Hektar nicht überschreiten. Handlese und ausgefeilte Kellertechnik sind Pflicht. Der Wein darf erst ab September des Folgejahres verkauft werden. Genießer erkennen diese Tropfen an der VDP-Kapsel mit dem Adler und der Bezeichnung GG auf dem Etikett.

Auf der anderen Seite des Spektrums rät Brodbecker zu edelsüßen Weinen, wie Beerenauslesen für exotische Frucht-Desserts >>

oder Apfel-Tarte, aber auch zu salzigem Käse wie Roquefort oder zur Leberpastete.

Rank und schlank und groß gewachsen

Dass deutsche Weißweine wieder auf Weltniveau rangieren, war harte Arbeit. Noch bis etwa 1900 hatte der deutsche Wein einen Ruf wie Donnerhall, wovon die Gründerzeit-Paläste alter Winzer-Clans zeugen – "sie waren die besten der Welt und teurer als ein französischer Grand Cru. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden Weine mitunter fünf Jahre eingelagert, um die Säure abzubauen."

In der Weltwirtschaftskrise konnte sich jedoch kaum jemand teure Weine leisten, viele Top-Lagen wurden daher nicht mehr bewirtschaftet. Auch das Dritte Reich setzte auf volkstümliche Massenware. Eine Erfindung der Nazis sind übrigens die Deutsche Weinstraße und das Weintor bei Bad Dürkheim, womit Weinabsatz und Tourismus angekurbelt wurden. Im Zweiten Weltkrieg brach der Weinbau ein. Dass der deutsche Wein auch nach dem Wirtschaftswunder nicht auf die Beine kam, lag laut Brodbecker auch am deutschen Weingesetz von 1971 – Bürokraten legten fest, dass die Qualität eines Weines künftig an seinem Zuckergehalt, gemessen in "Öchsle-Graden", festgelegt wird. Dabei überdeckt Zucker die meisten Aromen. Nun tauchten nicht nur verstärkt frühreifende Sorten wie die Huxelrebe auf, sondern auch das Aufpeppen einfacher Weine zu scheinbar hochwertigen Spätlesen. So gaben einige Winzer Zucker vor der Gärung zum Most hinzu. Wegen dem in der Fachwelt "Chaptalisieren" genannten Verfahren war deutscher Wein weltweit als süße Massenware verschrien – in jedem Supermarkt stand die "Liebfrauenmilch" herum.

Revolution im Weinbau

Ende der 80er Jahre jedoch machten dies viele Jungwinzer, die ein Studium und Praktika im Ausland absolviert hatten, nicht mehr mit - sie rebellierten gegen die Väter und setzten konsequent auf Qualität.

Vor den Augen der entsetzten Patriarchen schnitten die Bilderstürmer einfach einen Teil der Lese weg – die verbliebenen Reben saugten dadurch die ganze Kraft des Weinstockes auf.

Während also die Sowjetunion zusammenbrach, rollte auch eine Rebellion über den deutschen Weinbau – "das war wie ein Mauerfall in den Köpfen", urteilt Brodbecker. Die Revoluzzer gründeten Interessengemeinschaften mit abenteuerlichen Namen wie "Fünf Freunde", "Message in the Bottle" oder "Junge Nahe-Talente".

"Der kompromisslose Feldzug für die Qualität hat weltweit unglaubliche Wellen geschlagen", zeigt sich Brodbecker begeistert. Deutschland ist nun der größte Riesling-Produzent der Welt, inzwischen bauen auch die Amerikaner in den Bundesstaaten New York und Washington große Flächen Riesling an. Der leichte, trockene Wein setzt der bisher in den USA favorisierten, fetten und oft in Barrique ausgebauten Sorte Chardonnay kräftig zu. "Heute heißt es in Amerika "ABC" – anything but Chardonnay".

Brodbeckers Top-Favorit hat übrigens eine ganz persönliche Note: Nahe der rheinhessischen Kleinstadt Oppenheim hat der Experte von 2003 bis 2006 auf einer kleinen Steillage namens "Niersteiner Pettenthal" vom Weingut Schätzel selbst eine trockene Riesling-Spätlese angebaut. Sein heutiger Favorit aus dieser Lage kommt vom Weingut Kühling-Gillot, ist als Großes Gewächs definiert und somit prächtig geraten.

Treffen Sie sich zum Rendez-Vous mit den besten Weißweinen in unserer Foto-Show.

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